Abschied nehmen von Ben

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Moin, ich bin Ben und das vergangene Jahr war für mich vor allem von einem geprägt: Meinem Freiwilligendienst am Tallinna Saksa Gümnaasium im Rahmen von kulturweit. Doch was bedeutete das für mich?

Fangen wir doch ganz von vorne an. Wie das so ist nach dem Abitur hat man viele Möglichkeiten. Man kann sofort studieren, eine Ausbildung machen, work and traveln oder eben ein Freiwilliges Jahr absolvieren. Für mich war das die bevorzugte Version und gerade andere Europäische Länder faszinierten mich sehr. Also bewarb ich mich bei dem Freiwilligendienst der Deutschen UNESCO-Kommission „kulturweit“, wo mir schnell der Platz in Tallinn angeboten wurde. Um ehrlich zu sein, hatte ich vorher wirklich keine Ahnung, wo Tallinn liegt, was in Estland so passiert und wie das Leben dort stattfindet. Doch ich bin nicht leicht einzuschüchtern und entschied mich die Stelle anzunehmen.

Plötzlich war es dann so weit und mein drei Stunden verspäteter Flieger landete in Tallinn. Erster Eindruck: sehr angenehm! Das mag einerseits an der späten Nachtzeit liegen, zu der ich ankam, aber auch daran, dass Teresa Bönsch mich mit offenen Armen empfing. Mit Abendbrot, Fahrservice und allem Drum und Dran fühlte ich mich sehr willkommen. Auch die Einführung in den Schulalltag lief wie geschmiert, sodass ich schnell ein Leben führte, was mir vorher nicht vorstellbar gewesen wäre.

Meine Aufgaben in diesem Alltag haben sich stetig verändert und waren so vielfältig, dass ich sie kaum hier niederschreiben kann. Ob die Vorbereitung von Schüler:innen auf diverse Prüfungen, die Organisation verschiedenster Veranstaltungen oder auch das Sortieren von Unterrichtsmaterialien im Archiv; ich war immer für alles zu haben und hatte viel Spaß an all diesen Facetten. Doch manche Tätigkeiten haben mich auch das ganze Jahr verfolgt, wie zum Beispiel der Deutsch-Unterricht in der sechsten Klasse mit meinem sehr geschätzten Kollegen Michael Bellinger. Gerade diese teils Rabauken habe ich echt zu schätzen gelernt und auch Michael hatte immer einen guten Rat zur Hand für alle Lebenslagen. Bei kurzfristigen Aufgaben konnte ich dagegen immer auf Alexander Voss setzen. Alex sorgte immer dafür, dass ich was zu tun hatte und ließ mich immer fühlen, dass ich wichtig bin und gebraucht werde. Ein weiteres Langzeitprojekt war „Seitenweise“, in welchem ich unermüdlich zusammen mit Laura Steinbach Projekte zu einem Jugendbuch förderte. All die spannenden Austäusche bei Keksen sowie die Reise nach Tartu werde ich nicht vergessen. Mit Laura hatte ich immer eine gute Zeit und mich fasziniert bis heute ihre Sicht aufs Leben.

Während also der Alltag an der Schule sich von ganz allein formte, tat das auch der Alltag außerhalb der Schule. Dort konnte ich bis zu meinem Ende immer auf die Praktikant:innen am TSG setzen. Arne, Fe, Simon, Mäggi, Alisa, Anna, Ronja, Malin, Paul, Pia, Lea, Laura, Nico und Toni haben mir nicht nur meine Zeit auf Arbeit versüßt, sondern wurden auch richtig gute Freunde. Ich konnte viel von ihnen lernen und zehre bis heute von Erinnerungen mit ihnen. Anderweitig lernte ich mit meinen Tallinner Freunden alle großartigen Seiten von dieser wundervollen Stadt kennen. Diese Mischung von industriellem, buntem und hafenmäßigem Flair hat es mich richtig zu Hause fühlen lassen. Besonders hervorheben möchte ich hier die Sveta-Bar, wo ich mich immer wohl gefühlt habe und ich mich als Stammgast bezeichnen konnte.

Doch wie schön auch immer meine Zeit gewesen sein mag, auch diese musste irgendwann zu Ende gehen. So wurde ich also am Ende der Lehrerkonferenz einmal aufgerufen, und konnte sogar ein paar Worte des Dankes auf Estnisch an meine Kolleg:innen richten. Doch auch die Sommerferien danach ließen mich noch einmal aufs Vollste auskosten, was es bedeutet in Estland zu leben.

Zum Schluss bleibt mir nun nur die Erinnerung an die großartigen Momente, die Erfahrung in meiner unfassbar coolen Einsatzstelle und der große Drang Danke zu sagen.

Danke für die vielseitige Unterstützung und tolle Betreuung von Teresa, Danke für die professionelle Leitung von Christian, Danke für all die witzigen Unterhaltungen mit Lorenz und Danke für all die Shuttle-Services von Alex. Danke für die aufmunternden Worte von Laura, Danke für die biologische Weiterbildung von Fabian und danke für jeden Estland-Crashkurs von Michael. Danke auch an die komplette estnische Abteilung, mit der ich viele Projekte durchführen konnte, und durch die ich noch viel mehr in diese Kultur eintauchen konnte. Ganz vor allem aber Danke an all die Schüler:innen die mich akzeptiert haben als Lehrperson auf Augenhöhe. Und natürlich Danke an kulturweit, die mir dieses crazy Jahr überhaupt möglich gemacht haben.

Ich hoffe mein Weg führt mich bald wieder in dieses wunderbare Land im Baltikum zurück und ich sehe euch bald wieder.

Tschüssikowski, Ben 🙂

Text und Fotos: Ben Arp